Druckersymbol


Tagesanzeiger 05


...Nur, falls der Partner fürs Leben schon mitschaut... Fridolin, 42-jährig hat vor etwa sechs Jahren im Kukuk Bekanntschaft mit Franziska gemacht: «Ich war eher zufällig dort, weil ich am Abend arbeitete», erinnert der HWV-Absolvent sich: «Ich spielte alleine Billard, als sie mich ganz klassisch fragte, ob ich eine Zigarette hätte.» Zusammen hätten sie eine Partie gespielt, beim Plaudern an der Bar sei es spät geworden. «Wir verabschiedeten uns mit einem zärtlichen Kuss und gingen separat nach Hause», erzählt er. Nur vier Monate nach dem Treffen sind die beiden zusammengezogen; inzwischen sind sie glücklich verheiratet.
Bis heute will ihm seine Ehefrau partout nicht glauben, dass er nicht im Kukuk war, um jemanden kennen zu lernen. Doch bleibt er dabei: Die Musik habe ihm gefallen, das Unkompliziertheit des Clubs - und das tendenziell höhere Durchschnittsalter der Besucher. «In einen Laden wie dem Kaufleuten, mit all den Jungen dort, da gehst du doch alleine nicht hin.»

Wer das Kukuk zum ersten Mal besucht, kommt nicht drumherum, an ein Jugendhaus für ältere Semester zu denken. Eigentlich fehlen nur noch die Rauchmaschine und BRAVO-Poster an den Wänden. Am Töggelikasten stehen je zwei Frauen und Männer, an der Bar wird geredet und in die Nüssli gegriffen. Auf dem Klo hängt eine Präventionskampagne gegen Herpes und auf der Tanzfläche wagen sogar Fünfzigjährige ein Tänzchen. «Upside down»  der DJ ist im gleichen Alter. Auffallend, dass die meisten Männer das Hemd ausserhalb der Hose tragen. Auch hier geniert sich niemand, da zu sein.
Wieso auch? Sogar das von Szenegängern gehegte und gepflegte Mascotte beherbergt eine 30er-Party und erteilt damit den Tanzveranstaltungen fürs mittlere Alter die Absolution. ...


© 2006 by Kukuk