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Kulturklub, mal nicht nur für Junge

Eine (be)rauschende Nacht im Kukuk ist definitiv unterhaltsamer als ein Durchhänger vor der Glotze. Es gibt Leute, die auch mit 30 oder gar 40 noch ganz gerne auf den Putz hauen. Sie sind zum Beispiel zum dritten Mal geschieden oder flirten gerade mit dem 23. Lebensabschnittspartner (LAP). Solche reale oder potenzielle LAPs und so genannte Singles haben nichts dagegen, in einer unkomplizierten Umgebung einen oder zwei hinter die Binde zu giessen und ihre etwas steifen Glieder zu gutem altem Discosound zu lockern. Ja, unter Umständen schrecken sie nicht mal davor zurück, eine Runde Billard zu spielen, völlig sinnlos mit Gleichgesinnten herumzualbern oder eine mehr (gern!) oder weniger (lieber nicht!) abenteuerliche Nacht durchzuziehen. Einer, der das glasklar durchschaut hat, ist Robert Winston. Er betreibt einen Club für seinesgleichen, der unvergleichlich ist: das Kukuk.

Dieser Club im unterhaltungsmässig ansonsten öden Kreis 6 mag einem beim ersten Besuch vorkommen wie eine Art Jugendhaus für unverbesserliche Nostalgiker. Doch das heisst mitnichten, dass Mann/Frau sich hier nicht bestens amüsieren kann. Dafür garantiert die bunt gemischte Klientel, die neben bewährten Club-Oldies, Alleinerziehenden und Medienfritzen auch Asylbewerberinnen, Studis und Agglos umfasst, die im falschen Film gelandet sind.
Kurz: Der Ueberraschungseffekt ist grösser als in manchem Trendschuppen. Kommt dazu: Die Bar ist ordentlich bestückt, preismässig okay und nie ausverkauft. Die Garderobe ist perfekt organisiert und das Personal voll auf "Sali, bisch au wider ämal daa!" Da kommt Mann/Frau sogar darüber weg, dass es ausser ein paar lumpigen Sandwiches nichts zu mampfen gibt und der Sound mitunter etwas gar oldiemässig aus den Boxen wabert.

erschienen im Metropol am 24.03.2000
© 2003 by Kukuk